Testen Sie doch mal das "Aber-Fasten"

Aber – ein kleines Wort mit großer Tragweite. Und das in zweierlei Hinsicht. Zum einen sind die 4 Buchstaben fester Bestandteil unseres Sprachgebrauchs und genießen allein schon mengenmäßig eine hohe Tragweite. Zum anderen schaffen es diese zwei Silben in  gerade mal 2 Sekunden sehr eindrucksvoll neue Ideen oder kreative Gedankenströme zu unterbrechen. Stellen Sie sich einmal folgende Situation vor: Sie haben ein Konzept erstellt und präsentieren Ihre neue Idee Ihrem Vorgesetzen. Er kommentiert Ihre Präsentation mit den folgenden Worten: „Das ist eine sehr interessante Idee... ABER das wird doch viel zu teuer in der Umsetzung“.  Wie reagieren Sie? Mit 90%tiger Wahrscheinlichkeit springen Sie auf den ABER-Zug auf und versuchen die Einwände Ihres Chefs zu widerlegen.  Das ist zumindest das Ergebnis, wenn ich diese kleine Übung in meinen Workshops durchführe.

 

Die meisten Teilnehmer befinden sich ab dann in einer Rechtfertigungshaltung, die weitere Diskussion folgt dem „warum es doch nicht funktioniert“. Dabei erhält die Antwort des Chefs zwei Aussagen. Der erste Teil des Satzes lautet „Das ist eine sehr interessante Idee“. Das kleine Aber dazwischen wirkt jedoch wie eine Löschtaste und unsere Konditionierung stärker auf Negatives zu achten, tut sein weiteres dazu. Die Chance in weiteren Gespräch liegt jedoch darin, den ABER-Zug erstmal zu ignorieren und zu hinterfragen, was genau der Chef an der Idee sehr interessant findet. Es geht also darum, die positiven Aspekte auszubauen, die Begeisterung für die Idee noch etwas länger im Raum stehen zu lassen und damit eine bessere Basis zu schaffen, den ABER-Argumenten zu begegnen. Auch die Einwände brauchen ihren Raum – keine Frage. Ich erlebe jedoch in Workshops oft, dass kreative Ideen vom ABER-Zug früh überfahren werden und in der weiteren Diskussion keine Chance mehr bekommen.

 

Achten Sie doch einen Tag lang auf Ihren ABER-Gebrauch und versuchen Sie das Wörtchen ABER durch UND zu ersetzen. Dadurch erhalten die Aussagen eine andere Qualität – wir relativieren nicht oder schränken ein sondern stellen die Argumente damit gleichwertig hintereinander. Am Anfang klingt das seltsam, denn der Aber-Gebrauch ist für viele von uns einfach sehr selbstverständlich. Doch nach und nach verändert sich durch das Aber-Fasten bzw. den achtsamen Umgang damit auch das eigene Denken. Wir geben Ideen mehr Raum, schaffen dadurch mehr Vielfalt und denken nicht vorschnell im kritischen Aber. Probieren Sie es aus.